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Einführung: Notfall - Wiederbelebung, Herzmassage
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Probleme bei der Herzmassage


Obwohl die Herzmassage als solches einfach in der Durchführung ist, tauchen nicht selten Probleme auf.


Es knackt


Nicht selten passiert es bei der Herzmassage, dass unter Ihren Händen eine Art Knacken zu spüren ist.


Was ist da passiert?



Abb. 44: Herzmassage - Die Rippen und ihre Verbindung zum Brustkorb © Andreas Heimann-Heinevetter

Die Rippen sind über Knorpel (glasige Anteile auf dem Bild) mit dem Brustbein verbunden. Diese, im gewissen Rahmen bewegliche Verbindungen, ermöglichen es, dass sich der Brustkorb hebt und senkt. Sie können sich gut vorstellen, dass diese Verbindungen bei der Herzmassage nicht nur belastet, sondern zusätzlich weit stärker bewegt werden, als es unter normalen Umständen der Fall ist. Bei den meisten Menschen wurde der Brustkorb das letzte Mal bei der Geburt (als sie sich durch den Geburtskanal zwängten) ähnlich belastet. Na ja, und wenn jetzt diese Knorpelverbindungen nach so langer Zeit wieder belastet werden, da „knackt" es eben im Gebälk. Dies bedeutet nicht, dass zwangsläufig eine oder mehrere Rippen gebrochen sind. Trotzdem ist es für den Helfer ein unangenehmes Gefühl, wenn es da unter den Händen knackt.

Was machen Sie, wenn es knackt?

  1. Sie kontrollieren (ohne die Herzmassage zu unterbrechen), ob Ihre Hände am richtigen Druckpunkt sind, also in der Mitte des Brustkorbs auf dem Sternum.

    Ist dies nicht der Fall, so korrigieren Sie die Position Ihrer Hände.

  2. Sie führen die Herzmassage fort, egal ob es knackt. Wenn Rippen gebrochen sind, dann sind sie gebrochen. Das ist das geringste Problem des Patienten. Der Herz-Kreislauf-Stillstand ist das primäre Problem des Patienten und gegen den kämpfen Sie an. Da wird Sie ein Knacken des Brustkorbs nicht einschüchtern. Also weiter mit gleicher Power!

Eine kleine Randbemerkung: Bei Reanimationen, die ich auf der Intensivstation erlebt habe, hat es oft geknackt. Nach primär erfolgreicher Reanimation wurde eine Lungenaufnahme beim Patienten durchgeführt. In ganz seltenen Fällen war wirklich etwas gebrochen.


Kein Brett im Bett


Um die Herzmassage effektiv durchführen zu können, muss der Patient auf einer festen Unterlage liegen, so steht es in den Richtlinien zur Wiederbelebung.


Der Grund ist folgender: Liegt der Patient auf einer weichen Unterlage, einer Matratze, so „versinkt" er bei jeder Thoraxkompression ein wenig in der weichen Unterlage (Matratze). In der Folge wird es Ihnen schwerfallen, das Brustbein effektiv in Richtung Wirbelsäule zu drücken. Aus diesem Grunde wird ein Reanimationsbrett unter den Oberkörper des Patienten platziert. Wie schon erwähnt, können Sie auch das Brett vom Kopf- oder Fußteil des Patienten benutzen.



Abb. 45: Herzmassage - Reanimationsbrett © Mit freundlicher Genehmigung der Firma Dönges GmbH & Co. KG, www.doenges-rs.de

Doch was machen Sie, wenn kein Brett zur Verfügung steht oder es erst herbeigeschafft werden muss? Klare Aussagen hierzu finden sich nicht in den Richtlinien zur Wiederbelebung.

Ich werde Ihnen einige Situationen beschreiben, wo es Probleme mit besagtem Brett gibt. Wie man dann reagiert, ist ein Abwägen. Ich werde Ihnen beschreiben, wie ich reagieren würde, und vor allem, warum. In allen Situationen haben Sie den Herz-Kreislauf-Stillstand schon festgestellt.

Anmerkung: Die nachfolgend kursiv geschriebenen Anteile spiegeln meine Meinung wider, wie ich und aus welchen Gründen ich in diesen Situationen handeln würde. Das sind keine gesicherten Angaben, wie man zu handeln hätte, deshalb kann ich Ihnen nur meine Einschätzung anbieten.


1. Situation


Sie sind in einem Krankenhaus und allein im Zimmer des Patienten. Hilfe haben Sie schon über einen Notruf verständigt, und auf Ihrer Station befindet sich ein Reanimationsbrett, doch es würde mehr als eine Minute dauern, es zu holen. Sie erwarten Hilfe in ein bis zwei Minuten. Der Patient liegt auf einer normalen Matratze.

In dieser Situation würde ich direkt mit der Herzmassage beginnen. Also keinesfalls loslaufen, um das Reanimationsbrett zu holen, ebenso wenig versuchen, ein Brett vom Kopf- oder Fußende des Bettes zu entfernen und unter den Patienten zu schieben.

Warum? Jede der Möglichkeiten, ein Brett unter den Brustkorb des Patienten zu platzieren (auch das Herausmontieren des Brettes am Kopfende des Bettes), dauert mindestens eine Minute. Der Patient profitiert mehr, wenn Sie direkt mit der Wiederbelebung beginnen, auch wenn die Herzmassage dadurch weniger effektiv in den ersten, maximal zwei Minuten ist.


2. Situation


Ähnliche Situation, doch diesmal sind Sie nicht im Krankenhaus, sondern Sie sind Altenpflegerin und haben Nachtdienst im Altenheim. Ein Reanimationsbrett befindet sich nicht in Ihrem Bereich, aber da gibt es Bretter am Kopf- und Fußende des Bettes. Den Rettungsdienst haben Sie verständigt. Die Hilfe kommt, wenn Sie Glück haben, in vier Minuten.


Eine anscheinend ähnliche, aber doch ganz andere Situation. Was würde ich da machen? Blitzschnell eines dieser Bretter herausmontieren und unter den Brustkorb des Bewohners schieben und dann mit der Herzmassage beginnen. Warum?

Vier Minuten Herzmassage und Beatmung (bis Helfer kommen) sind eine lange Zeit. Nur mit guter Kondition schaffen Sie es, eine Herzmassage so lange durchzuhalten und dabei effektiv zu drücken. Das bedeutet, nach drei Minuten würden Ihre Thoraxkompressionen schwächer, und das in Verbindung mit einer weichen Unterlage bedeutet „sehr schwach".

Diese 45 Sekunden, die Sie benötigen, das Brett unterzulegen, garantieren, dass Ihre Herzmassage effektiv ist. Ja, ich weiß, da ist das Problem der Wiederbelebungszeit. Diese 45 Sekunden bedeuten für den Bewohner vielleicht, dass das Sprachzentrum untergeht. Hätten Sie direkt mit der Herzmassage begonnen (ohne Brett), wäre es „nur" geschädigt worden, aber später wären auch andere Zentren „nur" geschädigt worden.

Ich jedenfalls würde es so machen. Ob das wirklich richtig ist? Ich kann es Ihnen nicht versprechen. In der geschilderten Situation sind  Sie schlicht in einem Dilemma. Es kann richtig sein was Sie tun, es kann auch falsch sein. Und beide Wege (Brett sofort benutzen oder durch Reanimieren ohne Brett) sind die Wahl zwischen Vulkanausbruch und Tsunami.

Es gäbe ja noch eine Möglichkeit: Sie zerren den Patienten aus dem Bett auf den Boden. Da hätten Sie dann ideale Wiederbelebungsbedingungen. Wenn Sie das noch nicht erlebt haben, unterschätzen Sie, wie schwer ein lebloser Mensch ist. Er wiegt genau sein Gewicht.

Eine Waschmaschine wiegt zwischen 75 und 100 Kilogramm, doch im Gegensatz zur Waschmaschine ist ein lebloser Mensch ohne „Griffpunkte". Stellen Sie sich einfach vor, Sie wollen eine leichte Waschmaschine aus der Höhe von 60 cm möglichst sanft auf den Boden legen ohne „Packende". Wenn Sie versuchen, einen Patienten oder Bewohner von 70 Kilogramm Gewicht auf den Boden zu zerren, brauchen Sie einige Zeit.

Um einen Eindruck zu bekommen, gehen Sie einfach mal in einen Baumarkt in die Abteilung, wo der Zement liegt, und packen Sie sich einen 25-Kilo-Sack. Der Patient ist etwa dreimal schwerer!

Also, ich glaube, es ist keine gute Idee, den Patienten in diesem Fall auf den Boden zu zerren.

Nebenbei: Zum Umlagern eines bewusstlosen Patienten auf der Intensivstation benötigt man mindestens sechs Hände. Sie allein heben keine Waschmaschine sanft aus dem Bett.


3. Situation


Egal ob Krankenhaus oder im Alten- und Pflegeheim: diesmal ist Ihr Patient stark übergewichtig, wiegt mehr als 120 Kilogramm und liegt im Bett auf einer normalen Matratze. Sie sind allein oder zu zweit, und ein Reanimationsbrett ist im Zimmer. Setzen Sie es ein? Knifflige Frage, stimmt's?


Zuerst die Situation. Sie sind alleiniger Helfer.

Nun, die Antwort ist einfach. Vergessen Sie das Brett, denn Sie schaffen es ohnehin nicht, es innerhalb kurzer Zeit unter den Patienten zu schieben. Beginnen Sie mit der Herzmassage. Da ist noch etwas, doch dazu mehr bei folgender Betrachtung.

Sie sind zwei Helfer.

Mit vereinten Kräften schaffen Sie es in relativ kurzer Zeit, das Reanimationsbrett  richtig zu platzieren. Relativ kurze Zeit? Ich würde sagen, in höchstens 30 Sekunden. Doch bei einem Patienten mit diesem Gewicht bin ich recht sicher, dass jede normale Matratze unter diesem Gewicht zu einer „festen Unterlage" wird. Einfach weil das Körpergewicht des Patienten sie zusammenpresst. Meine Einschätzung ist daher, dass das Brett keinen (wesentlichen) zusätzlichen Vorteil bei der Herzmassage bringt.

Sie können mal ausprobieren, wie hart die Matratze wird. Fragen Sie einmal einen Patienten in der entsprechenden Gewichtsklasse, ob Sie die Nachgiebigkeit der Matratze prüfen dürfen, während er darauf liegt. Ist der Patient einverstanden, schieben Sie Ihre Hand unter den Rücken des Patienten auf Höhe der Mitte des Brustkorbs. Versuchen Sie nun mit der flachen Hand, die Matratze weiter zusammenzupressen. Ist es leicht, dann sollten Sie bei „Ihren" Matratzen das Brett einsetzen, sofern Sie zu zweit sind. Ist es schwierig, die Matratze weiter zusammenzupressen, können Sie meiner Meinung nach auf das Brett zur Reanimation bei diesem oder anderen Patienten (mit diesem Gewicht) getrost verzichten.


4. Situation


Wieder ist es gleichgültig, ob Sie in einem Alten- und Pflegeheim oder in einem Krankenhaus sind. Diesmal liegt der Patient auf einer „Ultraweichlagerungsmatratze". Sie wird eingesetzt, um z.B. einen Dekubitus zu verhindern. Der Patient ist normal- oder untergewichtig.

Diese Situation ist wirklich problematisch. Ich bin nicht sicher, ob ein Reanimationsbrett die Nachgiebigkeit der Matratze ausreichend mindern würde. Sie können das einmal ausprobieren.


Haben Sie eine solche Matratze zur Hand, legen Sie das Reanimationsbrett in die Mitte der Matratze. Danach legen Sie sich auf die Matratze, so dass Ihr Gesäß auf dem Brett ruht. Versuchen Sie nun mit den Hüften etwas (in die Matratze) zu wippen. Wenn das ohne weiteres möglich ist, so bringt das Reanimationsbrett wenig. Ist es schwierig, so genügt in dieser Situation, ein Brett unterzulegen. Es wäre schön, wenn Sie mich über Ihren Versuch informieren (webmaster@pflege-kurse.de). Ich vermute, selbst unter Einsatz eines Reanimationsbrettes ist die Matratze zu weich.

Damit ist eine Ultraweichlagerungsmatratze der einzig echte Grund, einen Patienten auf den Boden zu zerren. Wie machen Sie das möglichst schonend und vor allem schnell?

Schaffen Sie Platz auf der Seite des Bettes, an der Sie stehen (möglichst zwei Matratzenbreiten). Fahren Sie das Bett auf die niedrigste Position. Packen Sie die Matratze (oder den darunter liegenden Matratzenschoner am Kopfende des Bettes). Ziehen Sie nun die gesamte Matratze mit dem darauf liegenden Patienten aus dem Bett; das Ende der Matratze (wo der Kopf des Patienten ist) halten Sie in Ihren Händen und schützen so den Kopf des Patienten. Es gibt einen ordentlichen „Rums", aber der Patient wird sich nicht verletzen. Der Patient liegt jetzt auf der Matratze neben dem Bett. Knien Sie nun auf der Seite neben der Matratze, wo der Patient letztendlich auf dem Boden liegen soll. Stück für Stück (Bein, Hüften, Oberkörper) ziehen Sie den Patienten erst zum Rand der Matratze und in einem zweiten Schritt auf den Boden. Das ist übrigens eine schöne Übung für die Ausbildung.

Nebenbei, bei einem Brand können Sie bettlägerige Patienten auf der Matratze sogar Treppen hinunterziehen, ohne dass sie Schaden nehmen, und so aus dem Gebäude bringen (sie dürfen nur nicht hinunterfallen).

Liegt der Patient auf dem Boden, so beginnen Sie mit der Reanimation.

Das war die Sache mit dem Brett im Bett. Ich hoffe, Sie können diese kritischen Situationen nun besser einschätzen.


Erschöpfung


Ich hatte es schon mehrfach erwähnt: Die Herzmassage durchzuführen ist anstrengend, sehr anstrengend. Sind Sie allein, dauert es nicht lange, vielleicht drei, vielleicht fünf Minuten, bis Sie an Ihre körperlichen Grenzen stoßen.

Was können Sie tun?

Ehrlich gesagt - nichts. Wenn Sie nicht mehr können, dann ist das eben so. Passen Sie auf, dass Sie nicht selbst daneben liegen.



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Identnummer: 20091216

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