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Einführung - Modifikation von Sturzrisikofaktoren, Sturzdokumentation
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Hüftprotektoren
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Herzschrittmacher
Sturzdokumentation und Sturzanalyse
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Bildnachweise, Literatur
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Hüftprotektoren


Als Einstieg zu diesem Thema ein Link.

Preisvergleich Hüftprotektor

Nein, dieser Kurs wird keine Verkaufsveranstaltung. Hüftprotektoren erhalten Sie paarweise ab ca. 15 €. Sie erinnern sich sicher an die Kosten, die durch eine Schenkelhalsfraktur verursacht werden. Allein die OP kostet gut 5000 €. Wäre da ein Paar Hüftprotektoren nicht eine prima Alternative? Insbesondere, wenn man bedenkt, dass eine sturzbedingte Schenkelhalsfraktur nicht selten der Einstieg in die Pflegebedürftigkeit ist, mit allen finanziellen und ideellen Folgen wie z.B. der Aufgabe der eigenen Wohnung und der Umzug in ein Alten- und Pflegeheim.

Wirkweise von Hüftprotektoren

Der gefährdete Bereich beim Sturz sind die Trochanter. Ein Sturz auf den Trochanter hat eine starke Belastung des Schenkelhalses mit möglicher Fraktur zur Folge.


Abb. 3: Trochanter © Andreas Heimann-Heinevetter

Sofern Sie nicht sehr übergewichtig sind, können Sie Ihre Trochanter leicht ertasten.

Sie können sich sicher gut vorstellen, dass bei einem Sturz auf diesen Knochenvorsprung einiges an Kräften wirkt, gerade weil er recht ungeschützt außen liegt. Der Trochanter ist quasi der „Prellbock“. Es bedarf nicht viel Phantasie, um sich vorzustellen, dass ein entkalkter Knochen eines älteren Menschen bei einem Sturz leicht bricht.

Hüftprotektoren schaffen eine größere „Aufprallfläche“ und verteilen damit die Energie des Sturzes. Auf den Trochanter wirkt also nicht mehr ein spitzer Hammerschlag, sondern die Seite der Hüfte bekommt sinnbildlich einen Schlag mit der flachen Hand. Die wirksame Kraft ist gleich, doch da sie auf eine größere Fläche verteilt ist, weitaus weniger zerstörerisch.


Abb. 4: Trochanter Hammerschlag © Andreas Heimann-Heinevetter

Die zweite Wirkung guter Hüftprotektoren ist die Art einer Knautschzone. Das Material selbst ist nachgiebig und absorbiert so einen Teil der Energie des Sturzes.

Preisfrage. Nun, Sie haben ja schon einiges vom Expertenstandard kennengelernt, jetzt dürfen Sie raten, wie Hüftprotektoren von Autoren des Expertenstandards bewertet werden.

Den entscheidenden Satz aus dem Expertenstandard dürfen Sie sich auf der Zunge zergehen lassen.

„Nach dem derzeitigen Stand der Forschung ist der wissenschaftliche Beweis für die Wirksamkeit von Hüftprotektoren bei Alten- und Pflegeheimbewohnern erbracht.“ (Expertenstandard Sturzprophylaxe in der Pflege, Deutsches Netzwerk zur Qualitätsentwicklung in der Pflege (Hrsg.) 2006, S. 86)

Einen derart klaren und dazu noch positiven Satz habe ich bisher im gesamten Expertenstandard nicht gelesen. Parker, Meyer und Cameron (alle 2003) konnten die Wirksamkeit von Hüftprotektoren beweisen.

Der Haken an der Sache ist, dass der Patient oder Bewohner zwar Hüftprotektoren besitzt, sie jedoch nicht trägt. In vielen Studien wird dieses Problem thematisiert (Parker 2003, Cameron 2003, Birks 2004, Warnke 2004). Als Ursache wird identifiziert, dass ein Paar Protektoren nicht ausreicht, sondern der Patient oder Bewohner über drei bis fünf Paare verfügen muss.

Warum?

Um die Hüftprotektoren anzulegen, benötigt man spezielle Unterwäsche. Nur so lassen sich die Protektoren dort platzieren, wo sie schützen sollen. Besteht nun eine Inkontinenz, so braucht man eine entsprechend höhere Anzahl von Protektoren und Unterwäsche.

Als Pflegekraft haben Sie großen Einfluss auf die Tragehäufigkeit von Hüftprotektoren Ihrer Patienten bzw. Bewohner, dies gilt insbesondere, wenn die Betroffenen unter kognitiven Einschränkungen leiden.

Doch wie sieht die Praxis aus?

Wie Sie wissen, habe ich nicht nur im Krankenhaus auf der Intensivstation gearbeitet, sondern auch einige Jahre in einem Alten- und Pflegeheim. Die Bewohner besaßen, sofern eine Sturzgefährdung bekannt war, in der Regel Hüftprotektoren. Unsere Pflegedienstleitung legte darauf großen Wert, und die Hausärzte waren gegenüber einer Verordnung von Hüftprotektoren sehr aufgeschlossen.

Es gab jedoch zwei große Probleme:

  • Die sturzgefährdeten Bewohner hatten in der Regel nur ein Paar Protektoren und eine entsprechende Unterhose zum Halten der Protektoren. Man muss nicht inkontinent sein, um mit einer „Trageunterhose für Hüftprotektoren“ nicht auszukommen; Inkontinenz verschärft das Problem nur.

    Natürlich ist man als Pflegekraft einiges gewohnt, man versucht, das Problem durch Improvisation zu lösen. Der Hüftprotektor wird z.B. in den Slip oder in die Hosentasche eingelegt. Ein Netzhöschen der Inkontinenzversorgung wird zur Halterung von Hüftprotektoren umfunktioniert. Kurz gesagt, man versucht einiges, jedoch nur mit mäßigem Erfolg. Abends beim Auskleiden des Patienten findet man die Protektoren dann am Knie des Patienten oder noch weiter unten im Hosenbein. Manchmal sind sie auch einfach verschwunden.

  • Eine nicht ganz unerhebliche Zahl von Patienten bzw. Bewohnern mag es schlicht nicht, Hüftprotektoren zu tragen. Ich muss zugeben, ich als Pflegekraft habe die Bewohner damals auch schlecht informiert, warum sie diese Plastikschale tragen sollten. Bei dementen Patienten war die Akzeptanz von Hüftprotektoren ohnehin extrem gering. Ohne zu übertreiben - gut die Hälfte der Protektoren befand sich an Orten, wo sie nicht sein sollten (Nachttischschublade, unter dem Kopfkissen, im Mülleimer oder unter dem Bett).

Die Lösung für diese Probleme finden Sie nicht im Expertenstandard. Ich möchte Ihnen trotzdem ein paar Lösungsansätze geben.

Anzahl verfügbarer Hüftprotektoren:

  • Jeder Bewohner braucht drei bis fünf Paar Hüftprotektoren inklusive der entsprechenden Halteunterhosen. Sprechen Sie den Hausarzt noch einmal an. Sicher können Sie ihm vermitteln, dass eine weitere Verordnung sinnvoll wäre.

  • Eigenmittel des Bewohners oder ein Geschenk von Angehörigen sind eine weitere Möglichkeit, die Anzahl verfügbarer Hüftprotektoren zu erhöhen.

  • Es ist gut möglich, dass der Expertenstandard Sturzprophylaxe in der Pflege in Ihrer Einrichtung umgesetzt ist. Dann dürfte es weniger problematisch sein, weitere Protektoren zu erhalten. Sprechen Sie mit Ihrer Pflegedienstleitung. Eventuell gibt es ein unscheinbares „Hüftprotektorenlager“, von dem Sie noch nichts wissen.

Tragehäufigkeit von Hüftprotektoren:

  • Bei orientierten Patienten oder Bewohnern sollten Sie die Wirkungsweise der Hüftprotektoren erklären und so auf eine regelmäßige Benutzung hinwirken.

  • Bei weniger orientierten Patienten oder Bewohnern würde ich versuchen, ihnen die Wirkung der Hüftprotektoren plastisch vor Augen zu führen, d.h. sie ihren eigenen Trochanter tasten zu lassen, die Bewohner aufzufordern, einmal ohne Hüftprotektor kräftig darauf zu drücken und dann mit Protektor auf den Trochanter zu drücken oder sogar leicht zu boxen. Dann müsste den Bewohnern klarwerden, dass ein Protektor schützt.

  • Grundsätzlich muss Ihr Augenmerk darauf liegen, dass Ihre Patienten und Bewohner die Hüftprotektoren anwenden.




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Identnummer: 20091216

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