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Enuresis (nocturna) – Einnässen, Bettnässen
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Enuresis (nocturna) – Einnässen, Bettnässen


„Bettnässen”, mit dieser Art von Krankheit haben Sie es bei Erwachsenen im Krankenhaus oder bei Ihren Patienten eher selten zu tun. Ebenso wenig treffen Sie im Alten- oder Pflegeheim regelmäßig auf „Bettnässer”. Trotzdem möchte ich die Enuresis hier näher beleuchten, da sie ein weit verbreitetes Problem bei Kindern ist. Eines Ihrer Kinder kann betroffen sein, Ihr kleiner Neffe oder eines der Kinder bei der Übernachtungsparty (3. Schulklasse).


So gesehen ist diese Seite des Kurses zwar fachlich wichtig und informativ, die Anwendung des Wissens liegt jedoch eher im privaten Bereich.


Definition und Häufigkeit der Enuresis


Normalerweise lernt ein Kind zwischen dem zweiten und dritten Lebensjahr, die Blasenentleerung willkürlich zu kontrollieren.


Von einer Enuresis spricht man, wenn es nach dem 5. Lebensjahr zu unbeabsichtigten Blasenentleerungen kommt, und zwar regelmäßig über mindestens 3 Monate. Außerdem darf keine organische Störung vorliegen.


Bei Kindern unter 7 Jahren muss das Einnässen mindestens zweimal im Monat vorkommen. Bei Kindern über 7 Jahren mindestens einmal im Monat.


Etwa 10% aller 7-Jährigen leiden unter einer Enuresis; Jungen sind etwa doppelt so häufig betroffen wie Mädchen.



Abb. 22: Urinausscheidung - Harninkontinenz - schlafendes Kind, www.istockphoto.com, sleeping child, Dateinr.: 5638923 © matka_Wariatka

Glücklicherweise ist die Prognose sehr gut, bei den allermeisten Kindern wächst sich diese Blasenentleerungsstörung aus.


Formen der Enuresis


Unterschieden werden insgesamt vier Formen der Enuresis, die teilweise miteinander kombinierbar sind.


Unterscheidung nach Vorgeschichte


  • War das Kind noch nie „trocken”, spricht man von einer primären Enuresis.
  • Folgerichtig spricht man von einer sekundären Enuresis, wenn das Kind zuvor die Urinausscheidung über einen Mindestzeitraum von 6 Monaten kontrollieren konnte.

Unterscheidung nach tageszeitlichem Auftreten


  • Enuresis nocturna. Hierbei handelt es sich um die nächtliche Form der Enuresis, also um das „Bettnässen”.

  • Demgegenüber steht die Enuresis diurna, also das Einnässen am Tage.

Die primäre Enuresis nocturna ist mit rund 80% der Fälle die häufigste Form der Enuresis.


Ursachen der Enuresis


Als wahrscheinlichste Ursache wird eine genetisch bedingte verzögerte Ausbildung des ADH-Rhythmus diskutiert. Sie erinnern sich: ADH ist das antidiueretische Hormon. Es steigert die Durchlässigkeit der Sammelrohre für Wasser, in der Folge kann mehr Wasser zurückresorbiert werden, die Urinmenge sinkt. Die ADH-Ausschüttung unterliegt einem tageszeitlichen Rhythmus.


Jetzt dürfen Sie ein wenig nachdenken. Wann ist Ihrer Meinung nach die ADH-Ausschüttung am Tage (24 Stunden) verstärkt? Und wenn Sie schon einen Tipp abgeben (tags oder nachts), dann können Sie schon auf die nächste Frage gefasst sein. Denken Sie mal darüber nach. Ich hole mir in der Zwischenzeit einen Kaffee. Möchten Sie auch einen?



Abb. 23: Urinausscheidung - Harninkontinenz - Enuresis, Denkpause ADH, www.istockphoto.com, Cup of coffee, Dateinr.: 7429019 © Torsten Schon

Da bin ich wieder. Nun, zu welcher Antwort sind Sie gekommen?

Natürlich haben Sie geantwortet, dass die ADH-Ausschüttung nachts verstärkt ist. Ihre Begründung hat mir sehr gut gefallen. Sie sagten, es sei augenscheinlich sinnvoll, wenn die Urinproduktion nachts sinken würde, da man sonst auch nachts ständig zur Toilette müsse. Der zweite Teil Ihrer Begründung gefiel mir besonders gut, er basierte auf einer reinen Beobachtung. Sie schilderten, dass der erste Urin morgens direkt nach dem Aufstehen deutlich kräftiger gefärbt und allem Anschein nach konzentrierter sei als sonst im Tagesverlauf. Ihre Schlussfolgerung war, dass die ADH-Ausschüttung nachts verstärkt sein müsse.


Der Rhythmus der ADH-Ausschüttung entwickelt sich im Kindesalter. Neben der noch nicht regelgerechten ADH-Ausschüttung kommen weitere Gründe infrage, die zur nächtlichen Enuresis führen.


  • Genetische Ursachen. Über die Sache mit dem ADH haben wir schon gesprochen. Auffällig ist, dass es bei der Enuresis zu einer familiären Häufung kommt. Ein speziell verantwortliches Gen wurde bisher nicht gefunden.

  • Aufmerksamkeitsdefizit- bzw. Hyperaktivitätssyndrom (ADHS). Bei dieser Störung ist die Reizverarbeitung im Gehirn erschwert. Dies gilt wahrscheinlich auch für Impulse, die von der Blase kommen. Belegt ist, dass Kinder mit ADHS häufiger unter Enuresis leiden als andere Kinder.

  • Verzögerte Erweckbarkeit. Kinder, die an nächtlicher Enuresis leiden, sind deutlich schwerer zu wecken als andere Kinder. Ansonsten ist das Schlafverhalten dieser Kinder normal.

  • Verstärkte Flüssigkeitszufuhr am Abend. Werden vom Kind mehr als 25 ml Flüssigkeit pro Kilogramm Körpergewicht am Abend getrunken, steigt die Gefahr des nächtlichen Einnässens.

  • Psychosoziale Faktoren. Es besteht ein Zusammenhang zwischen nächtlicher Enuresis und starker seelischer Belastung. Belastungssituationen sind z.B. eine Trennung der Eltern oder die Geburt eines Geschwisterchens.

Während die schon genannten Ursachen bzw. Risiken durchaus ernst zu nehmen sind, werden bzw. wurden noch andere Ursachen diskutiert. Eine möchte ich Ihnen nicht vorenthalten. Ich halte sie nicht für zutreffend, aber es ist eine schöne Geschichte.



Abb. 24:  Urinausscheidung - Harninkontinenz - Enuresis, Lowenzahn “Bettsaicher” (schwäbisch), “peebeds” (volkstümlich englisch), “pissenlit“ (französisch) © Andreas Heimann-Heinevetter


Löwenzahn hat eine gewisse harntreibende Wirkung. Es wurde angenommen, dass die Kinder mit Löwenzahn eben mit dessen Wirkstoffen in Berührung kämen und deshalb nachts ins Bett machen würden. Ich frage mich, ob die Kinder dann in den Wintermonaten plötzlich trocken waren.


Behandlungsstrategie


Die Enuresis hat eine gute Prognose. In den meisten Fällen legt sich das Problem mit zunehmendem Alter des Kindes. Die Remissionsrate, also die Heilungsrate, beträgt 13% pro Jahr. Letztendlich leidet aber immer noch 1% der Erwachsenen unter einer Enuresis, das sind in Deutschland immerhin 800 000 Menschen.


Am Beginn der Behandlung müssen körperliche Ursachen ausgeschlossen bzw. behoben werden. Zur Eingangsdiagnostik gehören die körperliche Untersuchung, eine Urinuntersuchung und eine Ultraschalluntersuchung der Harnblase und Nieren. Außerdem sollte über 2 bis 3 Tage ein Miktionsprotokoll geführt werden. In dieses Protokoll wird jede Miktion mit Uhrzeit, Menge und eventuellen Auffälligkeiten eingetragen. Des Weiteren ist es sinnvoll, einen Kalender zu führen. „Trockene” werden markiert. Dadurch lässt sich das Ausmaß der nächtlichen Enuresis genauer beziffern. Die Therapie als solche muss spezifische Ursachen mit einbeziehen.


  • Beratung der Familie. Für das Kind ist Bettnässen schon ein großes Problem. Doch die Familie ist mit betroffen. Denken Sie an die Übernachtungsparty oder die Klassenfahrt. Wie gehen Sie als Eltern damit um, wie sprechen Sie mit dem Lehrer. Denken Sie an Geschwister, die sich nicht „grün” sind.

  • „Sonne-und-Regen-Kalender”. Dieser Kalender dient zum einen der Kontrolle des Verlaufs und zum anderen der Motivation des Kindes. Sonnentage sind natürlich solche, an denen das Bett trocken bleibt.

  • Wecksysteme. Hierunter versteht man Unterwäsche oder eine Matratze, die klingelt, wenn sie feucht wird. Das Kind soll wach werden, um die Blase zu entleeren.

  • Synthetisches ADH - Minirin®. Stellen Sie sich vor, das Kind geht auf Klassenfahrt, da wäre Bettnässen ein riesiges Problem. Hier kann synthetisches ADH das Problem lösen.

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