Startseite Nachrichten Lesezeichen Kommentare Logout
  Registrieren
Seiten der Lektion
Einleitung: Medizinische Ethik – was ist das?
Ziele des Kurses
Wann beginnt das Leben?
Geburtenkontrolle
Sterilisation
Insemination
Schwangerschafts-abbruch
Wann endet das menschliche Leben?
Sterbehilfe
Zusammenfassung
Bildnachweise, Literatur und Links
Ausblick
Kontrollfragen zum Kurs (Im Demo deaktiviert)
Anzeigen
ALLE KURSE

Sterbehilfe


Das Wort „euthanasia“ stammt aus dem Griechischen und bedeutet so viel wie „zu einem guten Tod“ verhelfen („eu“ = gut; „thánatos“ = Tod). In der Bundesrepublik ist dieser Begriff jedoch infolge seiner negativen Konnotation im nationalsozialistischen Deutschland unpopulär und wird kaum verwendet. In der Veterinärmedizin spricht man daher eher von „Einschläfern“, in der Humanmedizin wird der Terminus „Sterbehilfe“ benutzt. Im Folgenden eine Auflistung der Formen der Sterbehilfe:


Indirekte Sterbehilfe: Hierbei werden leidensmildernde Maßnahmen getroffen, die nicht den direkten Tod des Patienten beabsichtigen, gleichwohl den Prozess des Sterbens beschleunigen, zum Beispiel durch schmerzlindernde Mittel.


  • Direkte Sterbehilfe: Der Tod wird vorsätzlich herbeigeführt, um das Leiden eines schwerkranken Menschen zu verkürzen. Hierbei gibt es zwei Möglichkeiten:

  • Passive Sterbehilfe: Damit ist das Absetzen medizinischer Maßnahmen gemeint, beispielsweise das Abschalten des Beatmungsgerätes.
  • Aktive Sterbehilfe: Der Tod des Schwerkranken wird bewusst herbeigeführt, zum Beispiel durch die Injektion einer tödlichen Giftdosis oder durch die Verabreichung einer Überdosis von Schlafmitteln.

Die aktive Sterbehilfe ist zu Recht ein sehr heikles Thema. Die Kirche sagt definitiv nein dazu. Aus ethischer Perspektive stellen sich unter anderem folgende Fragen:


  • Kann der Patient wirklich aufgrund seiner mentalen und physischen Verfassung endgültig darüber entscheiden, ob sein Leben beendet werden soll?
  • Vermögen Angehörige, Ärzte und Mediziner darüber entscheiden, ob der Patient nicht doch noch wichtige Reifungs- und Ablösungsschritte erleben könnte?
  • Woran wird der Wert des Lebens grundsätzlich gemessen? Ob der Mensch bei Bewusstsein und kommunikationsfähig ist, ob er aktiv und leistungsfähig ist?
  • Ist der Wunsch des Schwerkranken, zu sterben, nicht vielleicht doch ein letzter Hilfeschrei in der Hoffnung, dass ihm geholfen wird? Wer vermag diese Worte des Patienten richtig einzuschätzen?

Das sind nur einige relevante Fragen zu diesem Problemkontext. Die EU-Länder haben mitunter eine unterschiedliche Gesetzeslage zur aktiven Sterbehilfe. In Deutschland gibt es keine gesetzliche Regelung zur Sterbehilfe; Tötungsdelikte im Rahmen einer aktiven Sterbehilfe können strafrechtlich verfolgt werden. In Österreich kann aktive Sterbehilfe unter Einwilligung des Patienten mit Freiheitsstrafen bis zu fünf Jahren geahndet werden. Das Schweizer Strafgesetzbuch verbietet aktive Sterbehilfe, und die wird mit Freiheitsentzug bestraft; eine indirekte Sterbehilfe jedoch gilt weithin als zulässig. Die Niederlande haben als erstes EU-Land eine verbindliche Gesetzesregelung zur Frage der Sterbehilfe verabschiedet. Jeder Holländer hat seit dem im Jahr 2001 erlassenem Gesetz das Recht, auf eigenen Wunsch zu sterben. Jeder Arzt, der aktive Sterbehilfe leistet, ist somit vor dem Gesetz und auch moralisch freigesprochen.

Voraussetzungen nach dem niederländischen Gesetz sind:


  • Der Sterbewillige muss über 18 Jahre alt sein.
  • Er darf nicht geistig behindert sein.
  • Er muss seinen Sterbenswunsch klar und deutlich vor Zeugen artikulieren, wodurch Menschen im komatösen Zustand oder Alzheimer-Patienten von vornherein ausgeschlossen sind.

Darüber hinaus gibt es vom Gesetz fünf vorgeschriebene Kriterien, nach denen eine Tötung auf Verlangen und die ärztliche Beihilfe straffrei bleiben:


  1. Das Leiden des Sterbewilligen muss „unerträglich“ sein.
  2. Es muss sichergestellt werden, dass keinerlei Aussicht auf ein „gutes Leben“ mehr besteht.
  3. Der Hausarzt muss sich davon überzeugt haben, dass der Patient den Wunsch zu sterben aus freiem Willen und nach gründlicher Überlegung artikuliert hat.
  4. Es muss ein zweiter, unabhängiger Arzt konsultiert werden.
  5. Beide Ärzte müssen den Fall in schriftlicher Form einer Kommission mitteilen, die den Fall auf Formfehler und Unklarheiten überprüft.

Eine Umfrage hat ergeben, dass 85 Prozent der Niederländer die Sterbehilfe befürworten. Da die Holländer sich vom Selbstverständnis her immer schon als ein sehr liberales Land betrachtet haben, verstehen sie auch ihr Euthanasiegesetz als Ausdruck ihres liberalen Denkens. Sterbehilfe gilt in den Niederlanden als „normales medizinisches Handeln“, zwischen 3000 und 4000 Niederländer entscheiden sich jedes Jahr für diesen Weg. Erschreckend an diesen Zahlen ist: Viele Holländer ließen sich nicht aus Gründen einer unheilbaren Krankheit die Todesspritze setzen, sondern weil sie dem Urteil der Ärzte zufolge keine adäquate Lebensqualität mehr besaßen.

Die allgemeine Gefahr bei dieser Lizenz zum Töten ist die, dass es zu einer gesellschaftlichen Praxis wird. Man könnte den Tod auf Bestellung noch einen Schritt weiterdenken, und zwar mit der fatalen Frage: Warum soll ich als Pflegefall meinen Verwandten, Freunden oder Pflegern weiterhin zur Last fallen? Warum sollen sie durch meine Situation finanziell belastet werden? Und Kritikern zufolge wird der Druck, anderen nicht mehr zur Last fallen zu wollen, immer mehr wachsen. Und können wir, als vermeintlich aufgeklärte Menschen, deren Würde doch unantastbar ist, das verfrühte Ableben als letzten Dienst an der Gesellschaft betrachten?

Wie gesagt, das Ganze ist ein sehr heikles Thema, das heute noch kontrovers diskutiert wird.


Denn wenngleich in Deutschland die aktive Sterbehilfe strafbar ist, hat sich in unseren Kliniken die Meinung durchgesetzt, dass das Leben nicht mehr um jeden Preis verlängert werden muss. Immer öfter kommen kranke Menschen oder deren Angehörige mit Patiententestamenten in die Kliniken, um sicherzustellen, dass lebensverlängernde Maßnahmen auf eigenen Wunsch ausgeschlossen sind. Heute wird unterschieden zwischen einer „medizinischen Behandlung“, die noch das Ziel der Heilung vor Augen hat, und einer „Basisbetreuung“, deren Aufgabe es ist, das Sterben des Patienten zu begleiten.

Eine passive Sterbehilfe, das heißt das Unterlassen lebensverlängernder Maßnahmen, und die indirekte Sterbehilfe, wobei durch die Verabreichung von Schmerzmitteln ein vorzeitiger Tod in Kauf genommen wird, sind in der Bundesrepublik weithin akzeptiert. Hat der Sterbevorgang eingesetzt, genehmigt der Bundesgerichtshof den Verzicht auf lebensverlängernde Maßnahmen wie zum Beispiel eine künstliche Ernährung. Die aktive Sterbehilfe bleibt in Deutschland jedoch weiterhin ein Tabu. Nach den Niederlanden hat Belgien als zweites EU-Land im Jahr 2002 die aktive Sterbehilfe eingeführt.


Hier noch ein Beispiel aus Großbritannien. Die 43-jährige Britin Dianne Pretty hat den Europäischen Gerichtshof kontaktiert, um aufgrund ihrer Behinderung das Recht zu sterben einzuklagen. Pretty ist infolge einer fortschreitenden Muskelerkrankung halsabwärts gelähmt und wollte sich mithilfe ihres Ehegatten das Leben nehmen. Vorab hatte ein britisches Gericht bereits entschieden, dass ihr Mann im Fall einer aktiven Sterbehilfe strafrechtlich verfolgt werde. Der Europäische Gerichtshof konnte das Urteil nur bestätigen, und zwar mit dem Hinweis, dass es kein Menschenrecht auf einen selbstgewählten Tod gebe.


Drucken und kopieren der Seite ist nur für registrierte Benutzer möglich!

Sind die Qualitätsmanagementbeauftragter oder verantwortlich für die Personalentwicklung in einem Krankenhaus oder einer Pflegeeinrichtung, lohnt sich die Umsetzung eines eigenen Lernmanagementsystems mit E-Learning Kursen


  Zur Anmeldung!


Mit Ihrer Anmeldung erhalten Sie Vollzugang zu allen 51 Kursen und den kommentierten 545 Kontrollfragen.

Für jeden erfolgreich bearbeiteten Kurs werden Fortbildungspunkte der "RbP – Registrierung beruflich Pflegender GmbH" ausgewiesen. Der 6-Monats-Zugang kostet einmalig 24,00 Euro (Pauschalbetrag), also umgerechnet 4,- € pro Monat!

Weitere Informationen zur Anmeldung!


Zurzeit finden Sie hier 51 Kurse zu folgenden Themen:

  • Grundlagen des Pflegeberufs (3 Kurse)
  • Organsysteme des Menschen (2 Kurse)
  • Grundlagen der Anatomie und Physiologie (5 Kurse)
  • Gesundheitspflege und Prävention (3 Kurse)
  • Ethik (1 Kurs)
  • Krankenbeobachtung Körpertemperatur (3 Kurse)
  • Krankenbeobachtung Puls (2 Kurse)
  • Krankenbeobachtung Blutdruck (4 Kurse)
  • Krankenbeobachtung Atmung (3 Kurse)
  • Pflege bei Störungen der Atmung (1 Kurs)
  • Notfall und Wiederbelebung (7 Kurse)
  • Das Ohr - Hören - Schwerhörigkeit (1 Kurs)
  • Nationale Expertenstandards - Einführung (1 Kurs)
  • Expertenstandard Schmerzmanagement in der Pflege (1 Kurs)
  • Expertenstandard Sturzprophylaxe in der Pflege (7 Kurse)
  • Expertenstandard Dekubitusprophylaxe in der Pflege (1 Kurs)
  • Expertenstandard Ernährungsmanagement zur Sicherstellung und Förderung der oralen Ernährung in der Pflege (2 Kurse)
  • Krankenbeobachtung Urinausscheidung (4 Kurse)

Zu allen 51 Kursen gibt es kostenlose Testzugänge

Sie enthalten rund 1/3 der Kursseiten im Volltext. Alle anderen Seiten werden teilweise dargestellt. Hierzu ist keine Anmeldung erforderlich! Testzugänge finden Sie hier.


Identnummer: 20091216

Sie möchten sich jetzt nicht anmelden? Kein Problem! Rufen Sie einfach weitere Testseiten dieses Kurses oder anderer Kurse auf.

Weitere kostenlose Informationen (Anschriften von Ausbildungsstätten, Prüfungsfragen, Facharbeiten sowie Informationen zur pflegerischen Aus- und Weiterbildung) finden Sie auf www.pflege-kurse.de

 

Druckvorschau

Zum Seitenanfang

 

 
Impressum
Copyright 2009 Andreas Heimann-Heinevetter