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Einführung: Krankenbeobachtung - Atmung, Anatomie, Physiologie, Beobachtungskriterien
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Beobachtung der Atemfrequenz


Die Atemfrequenz zu beobachten ist einfach, es bedeutet schlicht, die Anzahl der Atemzüge pro Minute zu zählen. Wichtig ist hierbei: Wenn Sie die Anzahl der Atemzüge zählen, müssen Sie eine ganze Minute zählen.

Die Atemfrequenz beobachten Sie im Grunde nur, wenn Ihnen zuvor aufgefallen ist, dass ein Patient oder Bewohner „sonderbar“ oder auf ausdrückliche Anordnung atmet. Im Wesentlichen lässt sich die Atemfrequenz mit drei Oberbegriffen beschreiben:


Normofrequente Atmung - normale Atemfrequenz


Die normale Atemfrequenz beträgt beim Erwachsenen zwölf bis 16 Atemzüge pro Minute, diese kann übrigens im Schlaf leicht erniedrigt sein.



Abb. 24: Normofrequente Atmung - normale Atemfrequenz © Andreas Heimann-Heinevetter

Wichtiger Hinweis: Das schlichte Vorhandensein einer normalen Atemfrequenz bedeutet nicht, dass die Atmung normal und ausreichend ist. Sie können sich vorstellen, dass diese zwölf Atemzüge sehr flach sein können. In der Regel ist die normale Atemfrequenz jedoch mit einer insgesamt ausreichenden Atmung verbunden.


Tachypnoe - erhöhte Atemfrequenz


Von einer Tachypnoe, also einer schnellen Atmung, spricht man, wenn die Atemfrequenz auf mehr als 16 Atemzüge pro Minute ansteigt.



Abb. 25: Tachypnoe - erhöhte Atemfrequenz © Andreas Heimann-Heinevetter

Eine schnellere Atmung muss nicht krankhaft sein, im Gegenteil - sie stellt unter bestimmten Umständen eine sehr gesunde Reaktion dar. Sie strengen sich an (jahreszeitlich passend) und sind z.B. damit beschäftigt, 100 Meter Gehweg von Schnee und Eis zu befreien. Bei körperlicher Anstrengung steigt der Bedarf an Sauerstoff und die Kohlendioxidmenge, die abgeatmet werden muss. Entsprechend wird schneller geatmet, die Atemfrequenz erhöht sich. Das gilt natürlich auch beim Joggen im Sommer.

In großer Höhe wird aufgrund des niedrigeren Luftdrucks der Sauerstoff weniger gut vom Blut aufgenommen, auch hier würde die Atemfrequenz ansteigen.

Aufregung oder Angst führen bei den meisten Menschen zu einer Erhöhung der Atemfrequenz. Sofern sich dies in Grenzen hält (Dauer und Intensität), ist es in Ordnung. Der schnellen Atmung steht kein entsprechend höherer Sauerstoffbedarf oder Anfall von Kohlendioxid gegenüber. Das führt in recht kurzer Zeit (Minuten) vor allem zu einem stärkeren Kohlendioxidverlust, verbunden mit einer Verschiebung des pH-Wertes in den basischen Bereich. Man spricht von einer Hyperventilation (Überatmung - Sie erinnern sich an das Anblasen der Grillkohle). Symptome sind z.B. ein Kribbeln in den Händen, Muskelkrämpfe, Angstgefühle, Schwindel und Pfötchenstellung. Die Therapie sieht eine Sedierung und kontrollierte Rückatmung vor (Ausatemluft wieder einatmen, z.B. mit Hilfe einer Plastiktüte). Übrigens, Schmerzen können auch Ursache einer Tachypnoe bzw. Hyperventilation sein.



Abb. 26: Tachypnoe - Pfötchenstellung bei Hyperventilation © Andreas Heimann-Heinevetter

Sie bemerken, wir betreten das Feld der krankheitsbedingten Tachypnoe. Es gibt sehr viele Erkrankungen, die mit einer Tachypnoe verbunden sind. An dieser Stelle möchte ich nur einige nennen und dabei den Hintergrund erläutern.


  • Fieberhafte Erkrankungen. Der Mechanismus ist für Sie leicht nachzuvollziehen. Die Körpertemperatur auf einem höheren Wert zu halten ist mit einer erhöhten Stoffwechsellage verbunden. In der Folge steigt der Sauerstoffbedarf, und es wird mehr Kohlendioxid produziert. Um das zu kompensieren, wird unter anderem die Atemfrequenz erhöht.

    In der Praxis würde mir bei einem ruhenden Patienten oder Bewohner (der keine bekannte Lungen- oder Herzerkrankung hat) eine beschleunigte Atmung auffallen. Mein erster Verdacht wäre Fieber, mit der Einschränkung, dass der Patient nicht akut über Luftnot klagt.

  • Lungenerkrankungen. Es verwundert kaum, dass Lungenerkrankungen oft zu einer Steigerung der Atemfrequenz führen. Der Körper versucht auf diesem Weg, eine behinderte Sauerstoffaufnahme bzw. Kohlendioxidabgabe auszugleichen. Atemwegserkrankungen sind nicht selten mit einer Übersäuerung des Blutes, einer Azidose, verbunden. Die Azidose steigert den Atemantrieb und damit die Atemfrequenz.

  • Herzerkrankungen. Herzerkrankungen führen nicht selten zu einem verminderten Sauerstoffangebot im Gewebe. Eine Möglichkeit, dieses Angebot zu verbessern, ist die verstärkte Atmung. Außerdem können Herzerkrankungen den Gasaustausch in der Lunge selbst behindern. Denken Sie an eine Schwäche des linken Herzens: Flüssigkeit staut sich in der Lunge, wodurch der Gasaustausch erschwert wird.

  • Anämie. Die Blutarmut - ein Klassiker unter den Ursachen für eine beschleunigte Atmung. Die Transportkapazität des Blutes für Sauerstoff ist verringert, als erste Maßnahme wird die Herzfrequenz ansteigen. Reicht das nicht aus, wird die Atmung beschleunigt.

  • Stoffwechselerkrankungen. Als Beispiel möchte ich hier die Zuckerkrankheit, den Diabetes Mellitus nennen. Bei sehr hohen Blutzuckerwerten kann es zu einer starken Übersäuerung des Blutes kommen. In der Folge kommt es zu einer verstärkten und schnelleren Atmung.

Bradypnoe - verlangsamte Atmung


Wenn es die beschleunigte Atmung gibt, wen wundert es da, dass es auch die verlangsamte Atmung gibt. Von einer Bradypnoe spricht man, wenn die Atemfrequenz unter zwölf Atemzüge pro Minute sinkt.



Abb. 27: Bradypnoe - verlangsamte Atemfrequenz © Andreas Heimann-Heinevetter

In der pflegerischen Praxis treffen Sie wesentlich seltener auf eine verlangsamte als auf eine beschleunigte Atmung. Doch was sind die Ursachen einer Bradypnoe? Auf welche möglichen Erkrankungen weist sie hin?


  • Schädigungen des Gehirns. Gemeint sind damit z.B. Schädel-Hirn-Traumen, der Apoplex (Schlaganfall) oder intrazerebrale Blutungen (Gehirnblutungen). Im Gehirn wird die Atmung gesteuert. Allen genannten Beispielen ist gemein, dass sie das Gehirn und damit direkt oder indirekt (z.B. durch Druck) das dort befindliche Atemzentrum schädigen.

  • Benzodiazepine und Opiate. Als Benzodiazepine bezeichnet man eine bestimmte Medikamentengruppe. Die meisten Benzodiazepine wirken beruhigend, angstlösend und schlaffördernd. Bekanntestes Medikament aus dieser Gruppe ist das Medikament Valium® mit dem Wirkstoff Diazepam. Eine häufige Nebenwirkung der Benzodiazepine ist eine Verlangsamung der Atmung.

    Auch eine starke Überdosierung von Benzodiazepinen (Selbstmordversuch mit Schlaftabletten) führt in der Regel nicht zu einem durch die Medikamente ausgelösten Atemstillstand.

    Unter dem Begriff Opiate fasst man alle Opiumabkömmlinge zusammen, wie z.B. Morphium. Diese Medikamente haben eine starke schmerzstillende Wirkung. Außerdem wirken sie in der Regel beruhigend und entspannend. Eine unerwünschte Nebenwirkung ist, dass sie den Atemantrieb dämpfen. Eine Überdosierung oder eine zu schnelle Verabreichung kann zum Atemstillstand führen.

    Hat ein Medikament eine die Atmung dämpfende Wirkung, so spricht man von einer atemdepressiven Wirkung.

    Zwei Beispiele aus der Krankenhauspraxis:

    Zustand nach endoskopischer Untersuchung:

    Sie arbeiten auf einer inneren Station und einer Ihrer Patienten hat eine aufwändige und unangenehme endoskopische Untersuchung vor sich. Es ist mehr als eine Magenspiegelung, so dass z.B. endoskopisch am Gallengang herumhantiert wird. Zudem ist dieser Patient dement, sieht den Sinn der Untersuchung nicht ein und hat große Angst davor.

    Sie bringen den Patienten zur Endoskopie und übergeben ihn an die Kolleginnen. Nach gut einer Dreiviertelstunde werden Sie angerufen, Sie könnten den Patienten abholen. Die Schwester sagt Ihnen, es sei schwierig, aber erfolgreich gewesen. Der Patient hätte insgesamt 15 mg Dormicum® (ein Benzodiazepin) erhalten.

    Wenn Sie sich auf den Weg machen, nehmen Sie den Ambu-Beutel (und einen Guedel-Tubus) mit. Noch besser ist, Sie gehen zu zweit (und auf keinen Fall nur Auszubildende!!!).

    In der Endoskopie angekommen, liegt der Patient im Bett in Seitenlage, atmet verlangsamt, ist aber nicht erweckbar. Die Endoskopie-Schwester sagt Ihnen: „Während der Untersuchung hat er abgeführt, wir haben eine Unterlage aufs Laken gelegt.“

    Zurück auf der Station, lassen Sie den Patienten natürlich nicht in seinem Stuhlgang liegen. Sie waschen ihn teilweise, drehen ihn, wechseln das Laken ... Sie ärgern ihn. Entsprechend wirkt er zwar schläfrig, aber wach. Ja, und Sie legen ihn auf den Rücken. „So sieht er gut aus!" Sie verlassen das Zimmer. Sie dokumentieren, heften Befunde ab, legen Überwachungsbogen an, bedienen das Telefon, eine Schelle klingelt ...

    Das war Ihr Teil, und der Patient hat in der Zwischenzeit auch etwas gemacht: noch einmal abgeführt (es drückte ihn) und ein kleines „Kötzerchen“ (auch da drückte es ihn, nein, Mageninhalt ist nicht in die Lunge gelaufen). Jetzt stört ihn nichts mehr: keine unangenehme Untersuchung, keine Übelkeit, kein Druck im Darm.

    Am Anfang dieser Seite habe ich geschrieben, dass Schmerzen und Angst zu einer beschleunigten Atmung führen. Diese Faktoren sind jetzt beim Patienten ausgeschlossen. Was bleibt, ist die atemdepressive Wirkung des Benzodiazepins. Als Sie ins Zimmer kamen, um den Blutdruck zu messen und den Puls zu kontrollieren, atmete der Patient langsam, und seine Haut war leicht bläulich verfärbt. Na, er wird es überstehen, denn Sie sind ja nun da.

    Postoperativer Patient, gerade aus dem Aufwachraum übernommen.

    Sie haben einen Patienten gerade aus dem Aufwachraum übernommen, er ist ansprechbar, schläfrig und stöhnt. Auf Ihrer Station gibt es für postoperative Patienten ein Überwachungsschema und einen Standard zur Schmerztherapie, bei dem Opiate eingesetzt werden. Sie haben die Infusion mit Opiat XYZ® schon vorbereitet. Alles läuft wie am Schnürchen, bis auf drei Kleinigkeiten:

    1. Der Patient ist rothaarig, bei denen gibt es immer Probleme (ich bin rothaarig und weiß, wovon ich spreche).

    2.  Der Chefarzt der Anästhesie hat dem Patienten noch mal eben 7,5 Milligramm Dipidolor® im Aufwachraum gespritzt (der Arzt hat die Dosis zwar im Narkoseprotokoll eingetragen, aber nicht weitergesagt).

    3. Die Schmerzinfusion, die Sie anlegen (Standard), läuft schlecht und ist schwer auf die richtige Laufrate einzustellen; der Patient zittert.

    Sie messen erst den Blutdruck, den Puls und die Sauerstoffgabe. Sie tun, was man tun muss und verlassen das Zimmer. Sie haben Schreibarbeit zu erledigen, wenn ein Patient aus dem OP kommt. Dummerweise haben Sie vergessen, das Ableitungssystem des  Dauerkatheters (den der Patient im OP bekommen hat) aufzuhängen. Sie gehen ins Zimmer.

    Glück gehabt! Die Infusion läuft im „Schuss“, der Patient - die Hautfarbe ist bläulich - atmet selten. Doch jetzt sind Sie da - Sie und er hatten Glück.

  • Stoffwechselerkrankungen, z.B. eine ausgeprägte Schilddrüsenunterfunktion. Da fällt mir so recht nichts zu ein, außer dass bei einer Schilddrüsenunterfunktion der Körper auf Sparflamme läuft, damit der Sauerstoffbedarf und der Anfall an Kohlendioxid vermindert sind.

Während des Schlafens ist die Atmung normalerweise leicht verlangsamt, aber das ist nicht allzu beängstigend. Wenn jemand autogenes Training beherrscht, kann die Atmung in dieser Zeit auch verlangsamt sein.


Apnoe


Apnoe bedeutet „keine Atmung“. Diesem Punkt widme ich eine eigene Seite, und ich sage auch etwas zur Schlafapnoe.

Doch jetzt möchte ich zur Atemtiefe (also wie tief man ein- und ausatmet) übergehen, denn Veränderungen in der Atemfrequenz sind oft mit einer Veränderung der Atemtiefe verbunden.



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Identnummer: 20091216

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