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3. Einheit: In der persönlichen Entwicklung gestörte Patienten


3.1 Der neurotische Patient


Neurosen


gehören zu den abnormen Variationen seelischen Wesens (triadisches System nach Huber)


Es handelt sich um Verhaltensauffälligkeiten (über lange Zeit hin entwickelt und verfestigt), meist aufgrund mißlungener Verarbeitungs- und Lösungsversuche von Konflikten. Auch Belastungssituationen, die Konstitution (genetische Faktoren), hirnorganische und soziale Faktoren können neurotischen Störungen zur Entstehung verhelfen.


Es werden die abnormen Erlebnisreaktionen (z.B. die akute Belastungssituation) von der abnormen Entwicklung (Neurose), bei der die Störung auch nach Wegfall der auslösenden Situation bestehen bleibt, abgegrenzt.


Krankheitseinsicht und ungestörte Realitätswahrnehmung ist vorhanden, eine organische Erkrankung kann nicht nachgewiesen werden. 12-26 % der Bevölkerung sind betroffen, davon 50% mit funktionellen Beschwerden / psychosomatischen Störungen. Synonyme: neurotische Entwicklung, neurotische Fehlhaltung


Beispiele für Neurosen:


Angstneurose; Phobie; Zwangsneurose (z.B.: Wasch-, Putzzwang); Konversionsneurose (hysterische Neurose: Unbewußtes wird durch Körpersymptome "symbolisch" ausgedrückt z.B.: Lähmungen, Blindheit, Taubheit, Anfälle); neurotische Depression


Allgemeine Einteilung:


zu den abnormen Variationen seelischen Wesens zählen insgesamt die:


  • Abnorme Erlebnisreaktionen: akute, kurzdauernde Reaktionen (Tage bis Monate) auf belastende Situationen, die sich oft nur in der Intensität vom "Normalen" unterscheiden.(z.B. abnorme Trauerreaktion).

  • Neurosen (=abnorme Entwicklungen): Störung die von einem aktuellen Konflikt ausgelöst werden kann, der aber ein oft bis in die Kindheit zurückreichender Konflikt zugrunde liegt.

  • Abnorme Persönlichkeiten: Charakterologische Merkmale, die nicht akut aufgetreten, sondern sich langsam entwickelt haben. Sie sind im Vergleich zum Normalen aber wesentlich stärker ausgeprägt (z.B. statt ordentlich  zwanghaft)

  • Abnorme Verstandesanlagen (Oligophrenie)

  • Abnorme Triebanlagen (sexuelle Deviationen)

  • Sucht (Alkohol- und Drogenabhängigkeit)


Symptome der Neurose


  • psychische Phänomene (Angst, Trauer, Zwangshandlungen)
  • körperliche Erscheinungen (meist ein bestimmtes Organ betreffend, z.B. Herz, Geschlechtsorgane, Magen)

Verlauf und Folgen


Konfliktreaktionen klingen mit Verarbeitung des auslösenden Konfliktes wieder ab, Neurosen und vor allem Persönlichkeitsstörungen neigen zur Chronifizierung.


Therapie


Je nach individueller Persönlichkeit und Krankheitsbild, meist aber ambulant. Klinikeinweisung bei schwersten Angst- und Zwangssyndromen, ausgeprägten psychosomatischen Syndromen und Suizidgefahr.


In der Regel erfolgt:


  • Psychotherapie (Schwerpunkt der Therapie, Ziel ist die Lösung des unbewußten Konfliktes)

  • Medikamentengabe (z.B.: Tranquilizer als angstlösende Medikamente oder Neuroleptika zur psychisch - vegetativen Regulierung),

  • Verhaltenstherapie (zur Erlernung neuer Reaktionsmuster auf die bislang durch neurotisches Verhalten beantworteten Reize)

  • Gespräche, Gruppentherapie (hier besonders Familientherapie)

  • Autogenes Training, Hypnose (suggestive Verfahren)

(bei Konfliktreaktionen genügen meist konfliktzentrierte -aufdeckende oder unterstützende- Gespräche)


Allgemeine Pflege


Die Patienten leiden meist an der Symptomatik, stehen ihr aber hilflos ausgeliefert gegenüber. Das Pflegepersonal unterstützt durch die Aufrechterhaltung eines geeigneten therapeutischen Milieus den Therapieerfolg und begegnet dem Menschen mit der gebührenden Achtung. Im therapeutischen Team werden fallspezifisch Verhaltens- und Therapierichtlinien besprochen. Nach Erstellung des Therapieplanes werden die Patienten in den stationären Ablauf eingegliedert.


Regeln:


  • die Mitpatienten im Zimmer sollten gezielt ausgewählt werden, um unnötige Konflikte zu vermeiden

  • Kontrolle und Dokumentation der Vitalzeichen gibt dem Patienten Sicherheit und dem Pflegepersonal Möglichkeiten zur gezielten Beobachtung.

  • Nahrungsaufnahme und Körpergewicht sollten regelmäßig kontrolliert werden (Nahrungsverweigerung).

  • Allgemein gesundheitsfördernde Maßnahmen wie Spaziergänge und Sport sollte angeboten und gefördert werden.

  • Die sorgfältige, aber nicht übertriebene Körperpflege ist besonders bei zwanghaften Patienten zu überwachen

Therapeutisch-pflegerische Beispiele


Symptom Angst:


Grundsatz der pflegerischen Tätigkeit ist die Angst des Patienten zu akzeptieren und auf dem Boden des Verständnisses Wege zum Abbau, bzw. zum Umgang mit der Angst zu ebnen. An Möglichkeiten bieten sich an:


  • Verhaltenstherapie

    • Lernen am Erfolg (Belohnung)

    • Lernen am Modell (Begleitung d. Therapeut)

    • kognitive Verhaltenstherapie (unlogische Überzeugung durch Vergleich mit logischer Interpretation korrigieren)

  • autogenes Training (Angst und Entspannung können nicht gleichzeitig bestehen)

  • Psychoanalyse (Störungsursache angehen)

  • Medikamente (angstlösend, psychotherapieeinleitend)

  • Milieu des Vertrauens und des Aufgehobenseins herstellen

    • Vitalzeichenkontrolle gibt Sicherheit

    • Teilnahme an Ergotherapie (BT, AT) lenkt ab

    • Stationsgruppen geben Rückmeldung zur Wirkung des Verhaltens

    • Vertrauen aufbauen, evtl. durch Übertragen leichter Tätigkeiten, Verantwortungen

 

Symptom Zwang:


Der zwanghafte Patient leidet an seinen Zwangshandlungen, -gedanken, hat aber in auslösenden Situationen keine Alternative. Diesem Aspekt muß Pflege Rechnung tragen. Die Verhaltenstherapie (z.B. durch Reizkonfrontation) kann dennoch deutliche Besserungen erzielen. Überwachung und ein gut strukturierter Therapieplan sind erste Schritte innerhalb eines Klinikaufenthaltes. Insgesamt sind neben den allgemeinen Maßnahmen wichtig:


  • Ergotherapie (Ablenkung)

  • Verhaltenstherapie (erfolgsorientiert)

  • Milieutherapie (Tagesstuktur erstellen, Zwangsverhalten kontrollieren)

  • Psychoanalyse (Ursachen behandeln)


3.2 Persönlichkeitsstörung


bedeutet, daß die Persönlichkeitsstruktur durch starke Ausprägung bestimmter Merkmale stark bestimmt ist. Die Personen geraten aus diesem Grunde in ernste Leidenszustände und/oder Konflikte. An speziellen Formen sind zu nennen:


  • Anankastische Persönlichkeit (zwanghaft, übergenau, pedantisch)

  • Depressive Persönlichkeit (still, zurückhaltend, pessimistisch; evtl. mürrisch, nörglerisch, sarkastisch)

  • Hysterische Persönlichkeit (geltungs-, erlebnissüchtig, überhöhtes Anspruchsniveau)

  • Asthenische Persönlichkeit (Mangel an Spannkraft und Ausdauer, vegetativ labil, schnell erschöpft)

  • Sensitive Persönlichkeit (Selbstunsicherheit, empfindsam, leicht zu beeindrucken, Aggressionshemmung)

  • Hyperthyme Persönlichkeit (oberflächlich heitere Grundstimmung, lebhaftes Temperament)

  • Paranoide Persönlichkeit (übertrieben empfindlich, leicht kränkbar, humorlos, aggressiv)

  • Schizoide Persönlichkeit (zwiespätlig, kühles schroffes Wesen, bei persönlicher Überempfindlichkeit)

  • Erregbare Persönlichkeit (neigt zu kurzfristigen heftigen Affektausbrüchen, explosiv-agressive Persönlichkeit)

  • Soziopathische/antisoziale Persönlichkeit (dissoziales Verhalten, meist kriminologisch auffällig)

Oft ist eine langwierige psychotherapeutische Behandlung nötig, die stationäre Therapie dient im Bedarfsfall der Krisenintervention. Im pflegerischen Umgang ist auf die speziellen Bedürfnissen und Ressourcen der Patienten einzugehen. Vorrangige Aufgabe pflegerischen Handelns ist, die neben den konflikauslösenden Auffälligkeiten vorhandenen normalen Anteile der Patienten zu mobilisieren und zu fördern.


3.3 Konversionsreaktion


ist die Umwandlung eines verdrängten seelischen Konfliktes in körperliche Symptomatik. Äußerungsformen können motorische, sensible und sensorische Symtome sowie Anfallszustände sein. Lähmungen sind ebenso möglich wie Erregungszustände. Anfälle zeichnen sich meist durch die theatralische Darstellung und die fehlende Bewußtlosigkeit aus. Muskelzittern und Sensibilitätsstörungen, sowie Sinnesfunktionsstörungen (Blindheit, Taubheit etc.) sowie vielgestaltige Schmerzzustände sind weitere Formen.


Ob hierbei symptomgerichtet oder konfliktzentriert vorzugehen ist, muß im Einzelfall entschieden werden. Eine Beschämung des Patienten ist in jedem Fall zu vermeiden, vielmehr sollte eine Brücke gebaut werden, die dem Patienten den Rückzug vom Symptom erlaubt. Bei Anfallssymptomen beispielsweise kann eine Nichtbeachtung sinnvoll sein, um die sozialen Verstärker des Symptoms auszuschalten. Brüskes Entziehen der Zuwendung ist dabei jedoch ebenso falsch wie allzu fürsorgliches Eingehen auf die Störung.


Problematisch in der Betreuung der Patienten ist, daß sie sich meist auf ihre Krankheitserscheinungen eingestellt und mit ihnen eingerichtet haben, der Krankheitsgewinn ist für sie unverzichtbar geworden. Erfolgsaussichten bedürfen eines neuen Ziels, einer Verbesserungsaussicht der gesundheitlichen oder psychosozialen Situation, die für den Patienten erstrebenswert erscheint.


Die Umsetzung einer einheitlichen Zielrichtung im therapeutischen Team fördert die Erfolgsaussichten erheblich. Hier kann das Pflegepersonal nicht allein tätig werden. Koordiniert und gemeinsam mit den anderen Berufsgruppen können dem Patienten neue Wege aufgezeigt und die Symtomatik somit für ihn überflüssig werden.


3.4 Anorexia nervosa und Bulimie


Abmagerung, bzw. exzessives Essen sind hier die Auffälligkeiten. Anorexia nervosa und Bulimie können sich in unterschiedlicher Weise verbinden oder allein auftreten. Leitsymptom bei Anorexiekranken ist eine “verzerrte, ablehnende, unversöhnliche Einstellung zur Nahrungsaufnahme”. In der Bulimie werden schnell große Nahrungsmengen (was irgendwie erreichbar ist!) verschlungen, um danach Erbrechen auszulösen. Die Somatotherapie des oft erheblichen Untergewichtes ist neben der Psychotherapie vorrangiges Mittel zur Linderung des Krankheitsgeschehens. Eine streng auf die Normalisierung der Nahrungsaufnahme (nicht allein des Gewichtes) abzielende Verhaltenstherapie ist bei diesen Patienten, neben der Einflußnahme auf das Verhalten zum eigenen Körper und zur sozialen Umwelt, ein weiterer Schwerpunkt.


Pflegerisch stehen:


  • die Organisation des Therapieplanes und

  • die Überwachung der mit den Patienten getroffenen Absprachen im Vordergrund.


Weitere Kontrollen


  • ob die tägliche Gewichtskontrolle exakt durchgeführt wird

  • ob das aktuelle Gewicht in der Gewichtskurve eingetragen ist

  • der Nahrungsaufnahme (hochkalorische Kost)

  • des Toilettengangs der Patienten (zur Vermeidung des Erbrechens)


Oft werden


  • zeitlich beschränkte Besuchsverbote für die Angehörigen notwendig,

um die Motivation zum Erreichen eines vereinbarten Mindestgewichtes zu fördern und die sozialen Abhängigkeiten etwas zu lockern.



Autor und Copyright: Jürgen Weber

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