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Pflegebedürftig zu werden - was es bedeutet


Ich möchte Sie herzlich begrüßen, und bevor ich mit meinem eigentlichen Vortrag beginne, zunächst eine kurze Vorstellung meiner Person, damit Sie wissen, wer zu Ihnen spricht bzw. aus welcher Erfahrung meine Gedanken zur Pflegebedürftigkeit kommen.


Zur Person:


  • Mein Name ist Andreas Heimann-Heinevetter und ich bin 1962 geboren.
  • Ich bin Krankenpfleger, Fachpfleger für Anästhesie und Intensivmedizin und darf mich nach einem Fernstudium „Angewandte Gesundheitswissenschaften“ - an der Uni Bielefeld - Gesundheitsplaner nennen.
  • Beruflich? Viele Jahre habe ich auf unterschiedlichen Intensivstationen gearbeitet, zwischenzeitlich war ich in der Ambulanzleitung im Krankenhaus tätig gewesen. Dann kam ein Wechsel in die stationäre Altenpflege, also in ein Alten- und Pflegeheim. Danach Wachkomapflege im Wohngemeinschaften - Modell und ambulante Pflege.
  • Von den Positionen kenne ich so ziemlich alles, was man im Berufsbild Pflege ausfüllen kann: Angefangen beim Zivi über Pflegefachkraft, Stationsleitung, Bereichsleitung bis hin zur Pflegedienstleitung.
  • Zurzeit: Ich schreibe und vermarkte Online-Schulungen für Pflegekräfte.
  • Und zum guten Schluss - ich bin Vater von drei Kindern.

Der persönliche Arbeitstitel meines Vortrags hier und heute lautet „Pflege (-fall) Karriere.“


Gemeint ist damit:


  • Wie werde ich überhaupt pflegebedürftig, wie wird man pflegebedürftig? Ich werde Ihnen drei unterschiedliche Wege vorstellen. Das sind nach meiner Ansicht die Standardwege, zu einem Pflegefall zu werden.

  • Der zweite Abschnitt des Vortrags befasst sich mit den Versorgungsformen: Wo und durch wen werden Pflegebedürftige versorgt?

  • Relativ nahtlos ist der Übergang zum nächsten Punkt des Vortrags. Was ist für mich, für meinen Vater, meine Mutter oder mein Kind die richtige Versorgungsform?

    Gibt es Kriterien, nach denen ich ein Altenheim oder einen Pflegedienst auswählen kann? Wie verschaffe ich mir einen Eindruck?

  • Die Versorgungsform ist gewählt - wer bezahlt die Rechnung?

    Professionelle Pflege ist nicht umsonst, aus der Sicht der Kostenträger oder des Pflegebedürftigen sind es Rechnungen oder Leistungen. Aus Sicht der Pflegenden oder der Einrichtung ist es Lohn, Kostenerstattung oder Gewinn.

    Der Gesundheitsbereich ist allen Wirtschaftkrisen zum Trotz ein steter Wachstumsmarkt.

  • Doch was geschieht, wenn das Geld nicht reicht, also die Leistungen der Pflegekasse zu gering sind? Wer bezahlt dann, woher kommt das Geld, und was bleibt übrig?

  • Zum Schluss werde ich ein kurzes Fazit ziehen und gegebenenfalls die eine oder andere Frage beantworten.

Ach, bevor ich es vergesse: Mein Vortrag beruht auf Fakten, Erfahrungen und enthält meine persönliche Meinung! Er ist nicht der Weisheit letzter Schluss.


Ausgangssituationen: Wie wird man pflegebedürftig? Drei Fallbeispiele:


Pflegebedürftigkeit im Sinne des Gesetzes:


„Pflegebedürftig sind Personen, die wegen einer körperlichen, geistigen oder seelischen Krankheit oder Behinderung für die gewöhnlichen und regelmäßig wiederkehrenden Verrichtungen im Ablauf des täglichen Lebens auf Dauer, voraussichtlich für mindestens sechs Monate, in erheblichem oder höherem Maße der Hilfe bedürfen."


Wie wird man richtig pflegebedürftig?


  • Unfall, Krankheit (akut)

    Ein schwerer Verkehrsunfall mit Verletzungen der Wirbelsäule: Sie können nicht mehr laufen. Oder ein Schlaganfall - Sie leiden seitdem nicht nur unter einer Halbseitenlähmung, sondern zusätzlich unter Schluckstörungen.

    Also eine akute Erkrankung, die nicht in Genesung, sondern in einer dauerhaften Pflegebedürftigkeit mündet.

    Hier greift die Pflegeversicherung.

    Als Betroffener sind Sie selbst wahrscheinlich nicht in der Lage, die Pflege zu organisieren, d.h. zur Krankenkasse zu gehen und die dortige Pflegekasse aufzusuchen bzw. mit ihr in Kontakt zu treten, um Leistungen zu beantragen. Dies machen Ihre Angehörigen oder der soziale Dienst in einem Krankenhaus. Welche Leistungen sind das? Es reicht von Geldleistungen wie Pflegegeld (für pflegende Angehörige) über ambulante oder stationäre Pflege und Pflegehilfsmittel bis zur Verbesserung des Wohnumfelds. Ich gehe an anderer Stelle noch einmal darauf ein. 

  • Eine andere Möglichkeit, pflegebedürftig zu werden, ist schlicht eine chronische, sich Stück für Stück verschlimmernde Erkrankung. Denken Sie an Parkinson oder Multiple Sklerose. Schleichend beginnt die zunehmende Pflegebedürftigkeit.

    Einziger wirklicher Vorteil in dieser Situation: der Betroffene hat die Möglichkeit, in aller Ruhe die Art der pflegerischen Versorgung bzw. eine Pflegeeinrichtung auszuwählen.

  • Ein weiterer Weg in die Pflegebedürftigkeit: Alter und Gebrechlichkeit.

    Dies dürfte immer noch der Klassiker unter den Gründen für Pflegebedürftigkeit sein. Es ist in der Regel ein langsamer Weg in die Pflegebedürftigkeit.

    Zuerst können Angehörige die Defizite noch kompensieren. Es fängt an mit der Hilfe beim Einkaufen oder dem Putzen. Das steigert sich im Sinne des abgesprochenen Anrufs am Abend zur festgelegten Zeit. Dann kommt der erste „noch“ glimpflich abgegangene Sturz. Danach wird ein Pflegedienst, z.B. das Rote Kreuz, mit Notfallrufsystem einbezogen. Die Körperpflege wird schwieriger, Angehörige bemerken das: ambulante Pflege - Pflegestufe 1. Die Pflegeversicherung greift. Doch der Zustand verschlechtert sich weiter ...

    „Die Oma kann nicht mehr allein sein. Gestern als ich da war, hatte sie vergessen, den Herd abzustellen.“

    An dieser Stelle stellt sich eine grundsätzliche Frage:

    Pflege zu Hause - spricht man zu dem Pflegenden, oder zieht er um zu einer Versorgung in einer stationären Einrichtung, also in ein Alten- und Pflegeheim?

Doch zuerst ein grundsätzlicher Blick auf die Versorgungsformen.


Versorgungsformen? Durch wen und wo kann ich als Pflegebedürftiger versorgt werden? Es gibt viele Möglichkeiten:


  • Krankenhaus? Das war einmal. Früher, vor zehn bzw. fünfzehn Jahren, da kam es durchaus vor, dass akut auftretende Pflegebedürftigkeit erst einmal im Krankenhaus landete. Häufiger noch waren die sogenannten „Weihnachtsmänner“. Zu Weihnachten oder in der Urlaubszeit wurde der sonst von den Angehörigen Gepflegte ins Krankenhaus geschickt. Heute ist das nicht mehr so, die Krankenhäuser behandeln Krankheiten und keine Pflegebedürftigkeit.

  • Familiäre Pflege - sicherlich die häufigste Form der Pflege und der Einstieg in eine pflegerische Versorgung, die auch durch Leistungen der Pflegekasse, eben ein der Pflegestufe entsprechendes Pflegegeld, anerkannt wird.

    Die leichteste Pflege (Pflegestufe 1) ist wahrscheinlich von den meisten Angehörigen zu leisten.

    Schwerstpflegebedürftigkeit (Pflegestufe 3) gehört meiner Meinung nach nicht in die Hände von Laien und stellt für die Angehörigen eine klare Überforderung dar.

    Kritisch empfinde ich, dass nicht selten finanzielle Erwägungen (Pflegegeld, das Haus, die Erbschaft usw.) die Motivation zur Entscheidung für eine „familiäre Pflege durch Angehörige“ bildet.

    Die familiäre Pflege ist aus meiner Sicht eine Übergangsform, so gesehen ist sie sicher sinnvoll und wertvoll.

  • Private Pflege: „die Polin“ - die privat bezahlte Pflege rund um die Uhr.

    „Lassen Sie sich mit einer 24-Stunden-Betreuung im eigenen Zuhause von einer liebevollen Betreuerin verwöhnen. Die Geborgenheit daheim müssen Sie nicht aufgeben. Herzlichkeit und menschliche Wärme dürfen keine Fremdwörter sein.

    ...

    Für eine Einzelbetreuung (Haushaltshilfe oder Pflegekraft) müssen Sie mit einem monatlichen Aufwand von mindestens 1.390,- € bis 1.580,- € rechnen. Das Honorar richtet sich nach dem Leistungsaufwand, und nicht nach den Pflegestufen."

    Quelle: Auf Anfrage

    Die Finanzierung dieses Modells ist einfach, sie ist ein Mix: Zum einen fließen das Pflegegeld für die Pflegestufe ein, also Geldleistungen der Pflegekasse, dann eigene Mittel, sofern diese verfügbar sind. Hinzu kommen eventuell staatliche Leistungen vom Sozialamt. Es gilt der Grundsatz „ambulant vor stationär“. Somit ist der Sozialhilfeträger verpflichtet, diese Leistung zu finanzieren, sofern keine eigenen Mittel vorhanden sind.

    Man könnte meinen - „toll!“ Doch rechnen Sie mal 24 Stunden mal 30 Tage, das sind 720 Stunden pro Monat. Gibt es jemanden im Raum, der so viele Stunden pro Monat arbeitet oder in Bereitschaft ist?

    1580,- € ist das maximale Salär pro Monat für die polnische oder osteuropäische Pflegekraft (eventuelle Vermittlungsprovisionen unterschlage ich). Das macht einen Stundenlohn von 2,19 €.

    Haben Sie noch Fragen, was ich als Pflegekraft davon halte?

    Übrigens, ich denke, dieses Modell gehört zusammen mit dem Mindestlohn in der Pflege von 8,50 € pro Stunde (hier im Westen) theoretisch der Vergangenheit an. Praktisch wird es wahrscheinlich fortgeführt, dann sind es eben nur Haushaltshilfen.

    Kurz gesagt, ich halte es für unmoralisch.

  • Ambulante Pflegedienste. Früher war es die „Gemeindeschwester“, heute sind es wohlklingende Namen. Das Profi-Pflege-Team, Pflegeteam Annabelle, Pflegedienst Sonnenschein - oder für den, der es auf Latein mag, „Cura".

    Ambulante Pflegedienste leisten viel für wenig Geld. Es gibt gute und es gibt weniger gute.

    Der Grundsatz „ambulant vor stationär“ gilt gleichermaßen in der Kranken- wie in der Pflegeversicherung. Verbrämt wird diese Geschichte im Sinne von „Es ist so schön zu Hause - einen alten Baum verpflanzt man nicht.“

    Fakt ist jedoch, dass gleiche Leistung unterschiedlich honoriert wird.

    Für die häusliche Pflege, Pflegestufe 1, zahlt die Pflegekasse dem pflegenden Angehörigen ein Pflegegeld von 225,- € monatlich, der ambulante Pflegedienst kann Sachleistungen bis 440 €,- abrechnen. Für die stationäre Pflege - ebenfalls Pflegestufe 1- erhält das Alten- und Pflegeheim 1023,- €.

    Die Pflegestufen sind sehr klar definiert und damit auch der Pflegeaufwand. Die Unterschiede in der Honorierung gleicher Pflegeleistungen sind mir ein Rätsel.

    Kleiner Tipp an den Gesetzgeber: gleiche Leistung, gleicher Lohn. Wobei ich vermuten würde, dass die häusliche Pflege durch Angehörige, selbst wenn sie nicht so professionell ist, die größte Leistung erbringt, denn sie schaut nicht auf die Uhr.

  • Das Wohngemeinschaftsmodell.

    Pflegebedürftige schließen sich zu einer Wohngemeinschaft zusammen. Sind es mehr als sechs Personen, gilt diese Gemeinschaft formal als Heim, bis zu sechs Personen sind es alles Privatleute, und jeder einzelne  hat Anspruch auf ambulante Versorgung durch einen Pflegedienst. So weit, so gut. Ist es ein Pflegedienst, der alle Personen versorgt, kann lange Zeit am Tag eine Pflegekraft vor Ort sein. Das ist das sozial verträgliche Wohngemeinschaftsmodell, wovon alle Beteiligten profitieren, auch die Gesellschaft.

    Doch es gibt auch andere Wohngemeinschaften, z.B. von Wachkomapatienten oder heimbeatmeten Patienten. Jeder dieser Patienten lebt also formal „zu Hause“. Es gilt der Grundsatz: „ambulant vor stationär“. 

    Diese Menschen benötigen eine 24-Stunden-Betreuung, und zwar nicht durch einen Laien, sondern durch eine Pflegefachkraft. Also wird mit den Kostenträgern eine 24-Stunden-Betreuung ausgehandelt. Es handelt sich dann um monatliche Beträge zwischen 15.000,- und 25.000,- € pro Wohngemeinschaftsmitglied.

    Meistens organisiert ein ambulanter Pflegedienst diese Wohngemeinschaften und betreut die Bewohner mit seinem Personal. In den seltensten Fällen wird jedoch wirklich im Verhältnis 1:1 gepflegt. In den Nachtstunden beispielsweise sind 2 Pflegekräfte permanent vor Ort, entsprechend hoch ist der Gewinn für den Pflegedienst.

    Bei diesen Wohngemeinschaften und auch bei den Pflegediensten, die sie „betreiben“, gibt es solche und solche. Bei einigen ist die Versorgung der Patienten hervorragend, bei anderen nicht.

  • Alten- und Pflegeheim -  also die stationäre Versorgung von alten bzw. pflegebedürftigen Menschen. Die Kosten für den Bewohner sind unterschiedlich, abhängig von der Pflegestufe (0 - 3) und von den Kosten für Unterbringung, Verpflegung und Investitionen.

    In einem Alten- und Pflegeheim, das ich aus Mitarbeitersicht kenne, betragen diese Kosten beispielsweise bei Pflegestufe 0 2227,- € pro Monat, die Pflegekasse zahlt bei Pflegestufe 0 nichts.

    Bei Pflegestufe 3 belaufen sich die monatlichen Kosten auf 3775, - €. Hiervon übernimmt die Pflegekasse 1510,- €. Auf den einzelnen Heimbewohner kommen also erhebliche Kosten zu.

    Diese Zahlen sind ein Beispiel; je nach Heim sind die monatlichen Kosten etwas niedriger oder deutlich höher.

  • Natürlich lassen sich die einzelnen Versorgungsformen untereinander kombinieren, z.B. familiäre Pflege durch Angehörige, unterstützt durch einen ambulanten Pflegedienst.

Qual der Wahl - die richtige Versorgungsform


Welche Versorgungsform ist in welchem Fall die richtige? Wie finde ich das richtige Heim, den richtigen Pflegedienst?


Es gibt einige Kriterien, die weiterhelfen.

  • Familiäre Pflege durch Angehörige:

    Eigentlich die normalste, natürliche Form der Pflege. Solange es sich um den täglichen Besuch handelt, der zu Pflegende weitgehend selbstständig ist und der Pflegende die Belastung als tragbar empfindet, ist dagegen nichts einzuwenden.

    Kritischer wird die Situation, wenn der pflegende Angehörige im selben Haushalt lebt, auch wenn es sich „nur“ um Pflegestufe 1 handelt.

    Es sind nicht die eigentlichen Pflegeleistungen, wie z.B. die Hilfe bei der Körperpflege oder die Hilfe beim An- und Auskleiden, die den Pflegenden belasten. Nach meiner Erfahrung ist es vielmehr eine stete Präsenz und eine ebenso stete Anforderung von kleinen Hilfeleistungen. Der Pflegende verliert seine Selbstständigkeit, und das gilt insbesondere dann, wenn beispielsweise eine beginnende Altersverwirrtheit die Situation verschärft.

    Nicht nur der Pflegebedürftige hat ein Recht auf Pflege, sondern der Pflegende hat auch ein Recht auf ein eigenes Leben und auf seine Gesundheit.

    Bei Pflege im gemeinsamen Haushalt lautet meine Empfehlung daher, nicht länger als ein Jahr, wenn nicht schwerer als Pflegestufe 1.

    Übrigens: 2007 wurden laut statistischem Bundesamt 1 033 286 Pflegebedürftige allein von deren Angehörigen versorgt. Das sind gut 45% aller Pflegebedürftigen. (Quelle: Statistisches Bundesamt)

    Die Einbeziehung eines ambulanten Pflegedienstes kann die Situation erleichtern.

  • Ambulante Pflegedienste - den Richtigen zu finden, ist schwierig.

    Natürlich können Sie sich erst einmal in Ihrem Umfeld umhören, ob jemand Erfahrungen mit einem Pflegedienst hat. Eine weitere Möglichkeit ist die Recherche im Internet. Dritte und sehr wertvolle Hilfe finden Sie bei Ihrer Kranken- bzw. Pflegekasse. Nicht selten halten die Kassen Checklisten bzw. Anleitungen für Sie bereit, um einen passenden Pflegedienst auszuwählen. Ein wesentlicher Aspekt ist hierbei das persönliche, natürlich unverbindliche und kostenlose Vorgespräch mit dem Pflegedienst.

    Ich habe hier eine solche Checkliste. Sie können nachher gerne einmal darüber schauen.

    Alten- und Pflegeheim. Grundsätzlich eine Anmerkung zur Frage, „zu Hause bleiben oder in ein Heim wechseln?" Dieses Leben in den eigenen vier Wänden ist für alte Menschen, gerade wenn sie in der Mobilität eingeschränkt sind, also nicht mehr mit dem Bus fahren oder in die Kirche gehen können, häufig sehr einsam. Das Leben in einem guten Alten- und Pflegeheim kann da eine echte Alternative sein.

    In einem guten Alten- und Pflegeheim wird Wert darauf gelegt, dass die Bewohner nicht vereinsamen, sondern Kontakte untereinander und auch nach außen halten. Außerdem werden altersgerechte Beschäftigungs- und Unterhaltungsangebote unterbreitet.

    Das Vorgehen, um das richtige Heim zu finden, ist ähnlich wie bei einem ambulanten Dienst. Auch hier sind die Kassen in der Regel hilfreich.

    Doch es gibt noch weitere Möglichkeiten, um eine Innenansicht zu gewinnen.

    Kennen Sie jemanden, der in diesem Heim wohnt, dann besuchen Sie ihn. Es ist ein Unterschied, ob Sie als Besucher kommen oder ob Sie vom Heimleiter oder Pflegedienstleiter herumgeführt werden. Achten Sie dabei z.B. auf das Pflegepersonal (Sehen Sie Pflegepersonal? Werden Sie mit einem Hilfsangebot angesprochen, wie z.B. „Kann ich Ihnen weiterhelfen?“).

    Sie sind ein Fremder im Heim, Sie könnten ja auch ein Dieb sein, also wundern Sie sich nicht, wenn da eine unauffällige Kontrolle ist, ob Sie wirklich jemanden besuchen. Verfügt das Heim über eine Cafeteria, einen Aufenthaltsraum? Gehen Sie mit Ihrem Bekannten dorthin und schauen Sie sich um.

    Natürlich sollten Sie einen Termin mit der Heim- oder Pflegedienstleitung machen und sich das Heim zeigen lassen. Fragen Sie nach, und lassen Sie sich möglichst viel zeigen. Gelingt es Ihnen, einen Termin zu den Essenszeiten zu erhalten, dann versäumen Sie nicht, sich den Speisesaal in Aktion zeigen zu lassen. Fragen Sie nach Veranstaltungen.

    Worauf Sie bei der Begehung mit dem Heimleiter oder der PDL noch achten sollten: Wie reagiert das Pflegepersonal auf das Auftauchen der Chefs? Huscht es in die Ecken und sucht Arbeit, oder bleibt es entspannt? Wie ist der Ton?

    Eine Möglichkeit, Innenansichten zu gewinnen, ist die Kurzzeitpflege, sofern sie vom Heim angeboten wird.

    Ein weiteres Kriterium sind sicher die Kosten! Die von mir zuvor genannten Zahlen liegen im unteren Mittelfeld. Höhere Kosten bedeuten nicht zwangsläufig eine bessere Versorgung.

    Die Kosten ...

Wer bezahlt die Rechnung?


Grundsätzlich muss man bei den Kosten unterscheiden zwischen denen für die Pflege und solchen, die z.B. mit Unterbringung und Verpflegung verbunden sind, also solche, die bei einem Heimaufenthalt zusätzlich zu Buche schlagen.


Die Pflegekosten

  • Kostenträger sind die Pflegekassen, sie sind den Krankenkassen angeschlossen. Leistungen erhalten Sie nur auf Antrag! Die entsprechenden Leistungen z.B. können Sie auch telefonisch beantragen, dann werden Ihnen die Antragsformulare zugesandt.

  • Pflegestufen. Die Pflegebedürftigkeit und damit der Leistungsumfang werden in Pflegestufen (1-3) gegliedert.

    Die Pflegestufen richten sich nach dem zeitlichen Pflegebedarf und gegebenenfalls danach, wann die Pflege erfolgt, wenn z.B. eine Versorgung in der Nacht erforderlich ist.

    Entsprechend der Pflegestufe wird von den Pflegekassen ein Geldbetrag, oder es werden Sachleistungen zur Verfügung gestellt.

    Zur Erinnerung: Pflegestufe 1, also die leichteste Pflegestufe, aber immerhin ein erheblicher Pflegebedarf:

    Als pflegender Angehöriger erhalten Sie 225 €,- Pflegegeld

    oder

    als Pflegebedürftiger Sachleistungen in Höhe von 440 €,- im Monat. Sachleistungen sind keine Dinge, sondern Dienstleistungen eines ambulanten Pflegedienstes, z.B. Hilfe beim Ankleiden.

    Ist jedoch eine Unterbringung im Pflegeheim verordnet, so wird für die Pflege bei Pflegestufe 1 ein Betrag von 1023,- € zur Verfügung gestellt.

    Je höher die Pflegestufe, desto höher die Leistungen. Bei Pflegestufe 2 und 3 nähern sich die Werte für Sachleistungen (ambulante Pflege) und der Pauschalbetrag für die Pflege im Heim einander an (ca. 1500,- € bei Pflegestufe 3).

    Wie wird die Pflegestufe festgestellt?

  • Durch den MDK. MDK ist der Medizinische Dienst der Krankenkassen. Gutachter des MDK nehmen die Einstufung des Pflegebedürftigen nach einem festgelegten Verfahren vor. Im Prinzip sind für einzelne pflegerische Handlungen Minutenwerte festgelegt, diese werden mit der Häufigkeit multipliziert. Unter bestimmten Bedingungen gibt es bei den Minutenwerten eine Steigerung, weil eine besondere Erschwernis, z.B. starkes Übergewicht, vorliegt.

    Als pflegender Angehöriger empfiehlt es sich ein Pflegetagebuch anzulegen und darin vor dem Besuch des MDK wirklich jede auch noch so unbedeutend scheinende Pflegeleistung wie z.B. das Reichen eines Trinkbechers zu protokollieren.

    Grundsätzlich: Wenn es um die Pflege durch Angehörige geht, so sind die Gutachter des MDK „gutartig“, sofern sie sehen, dass der Pflegebedürftige gut versorgt ist. Es kann durchaus vorkommen, dass der Gutachter Fragen stellt mit dem Ziel, doch mindestens Pflegestufe 1 zu erreichen.

    Anders ist die Situation häufig in der stationären Pflege. Als verantwortliche Pflegekraft im Heim erhalten Sie nicht selten spezielle Schulungen, um eine möglichst hohe Pflegestufe für einen Bewohner bei der Begutachtung durch den MDK zu erzielen.

    Ich persönlich bin mit dem Prinzip Ehrlichkeit am besten gefahren.

  • Sonderformen (Demenz, Härtefall). Unter bestimmten Umständen können sich die Leistungen der Pflegekasse noch erhöhen. Liegt beispielsweise eine diagnostizierte Demenz (Verwirrtheit) vor, so wird von einem allgemein höheren Betreuungsbedarf ausgegangen. In der Folge wird zusätzlich zur Pflegestufe ein Betrag von 100,- €  bereitgestellt. Übersteigt der Pflegebedarf deutlich den der Pflegestufe 3, so liegt ein Härtefall vor. Hier steigt dann die Leistung (Sach- oder Geldleistung) der Pflegekassen auf ca. 1900,- €.

Die Leistungen der Pflegekassen sind begrenzt, doch einen Heimplatz kann man davon nicht finanzieren. Stellt sich die Frage:


Wenn es nicht reicht, wer bezahlt die Rechnung?


  • Rente. Die Rente fließt natürlich in die Finanzierung der Heimkosten ein, in wenigen Fällen reicht dies jedoch aus. Bei Pflegestufe 2 liegen die monatlichen Heimkosten beispielsweise bei 3300 €,-; die Pflegekasse gibt insgesamt 1279,- €. Sie müssten über 2000 € Rente beziehen, um das zu finanzieren.
  • Besitzen Sie Sparbücher, so können Sie den Fehlbetrag vielleicht eine gewisse Zeit kompensieren, doch wahrscheinlich sind Ihre Finanzmittel schon nach kurzer Zeit erschöpft.
  • Entweder springen dann beispielsweise Ihre Kinder ein und unterstützen Sie, oder die Kommune, also das Sozialamt, kommt ins Spiel. Es übernimmt den Fehlbetrag, versucht ihn jedoch, soweit das möglich ist, wieder hereinzuholen.
  • Ihr Vermögen, z.B. ein Haus oder eine Wohnung, wird zur Finanzierung der Pflege herangezogen, ebenso Schenkungen, die Sie in den letzten zehn Jahren getätigt haben. Kinder oder der Partner werden zum Unterhalt herangezogen.
  • Sind keine Vermögenswerte vorhanden und gibt es keine Unterhaltsleistungen durch Kinder oder die nahen Angehörigen, zahlt letztendlich die Kommune.
  • Nicht wenige Kommunen fürchten diese zukünftigen Kosten, die sie in den finanziellen Kollaps treiben können.
  • Taschengeld. Jedem Heimbewohner steht - auch wenn er sonst keine finanziellen Mittel hat - ein Taschengeld in Höhe von ca. 90,- € im Monat zu. Von diesem Taschengeld werden zum Beispiel Medikamentenzuzahlungen bezahlt. So gesehen bleibt selten wirklich etwas übrig.

Resümee:

Ich bin am Ende meines Vortrages. Festzuhalten bleibt:


Die Pflege als solche ist schon sichergestellt, doch für viele bedeutet dies, sofern sie nicht auf andere Weise vorgesorgt haben, ein Leben mit leeren Taschen.


Ich danke für Ihre Aufmerksamkeit.

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Copyright 2009 Andreas Heimann-Heinevetter